Klarheit finden - Wenn dein Leben sich nicht mehr stimmig anfühlt

Blogartikel "Klarheit finden" Nadine Elsner modern Wabi Sabi Art

Klarheit ist nichts, das wir erschaffen müssen.

Sie ist da.

Still.
Ruhig.
Unaufgeregt.

Doch oft liegt etwas darüber, das sie kaum noch spürbar macht.

Wie eine schwere, dichte Schicht. Manchmal ein 5 kilo schwerer Nebel im Kopf und auf der Brust.

Gedanken.
Anpassung.
Erwartungen.
Alltag.

Klarheit ist eins meiner allerliebsten Lieblingsthemen. Ich liebe es. Erwähnte ich das? Es ist so umfangreich. Ich möchte dir darum mit diesem Artikel einen sehr leichten kleinen, aber auch direkt praktischen Einstieg geben. 


Was Klarheit für mich ist

Klarheit ist kein Plan. Keine Strategie.
Kein perfektes „Ich weiß jetzt genau, wie alles wird“. Ich denke wir wissen mittlerweile doch alle, dass wir eigentlich nichts wissen. 

Außer:

Dieses innere Wissen. Dieser leise, faszinierende Sog in eine Richtung, der logisch nicht erklärbar ist. Die schönsten Dinge sind nicht logisch. Das ist Klarheit.

Ein leises, aber sehr eindeutiges Gefühl, das sich nicht erklären muss. Und du nicht kannst. 

Wir spüren es oft früher, als wir es uns eingestehen. Versuch einmal an etwas zu denken, das für dich so richtig ist in deinem Leben. Entstand es im Kopf? Hattest du schon ein Gefühl, bevor du es greifen konntest?

Doch da beginnt oft auch auch genau das, was viele vermeiden:

Ehrlichkeit. 

Und es wird versucht, es zu ignorieren. Ein innerer Kampf entsteht und unser Körper reagiert irgendwann.

 

Warum uns Klarheit so schwer fällt

Viele Menschen suchen nach Klarheit,
weil sich ihr Leben nicht mehr stimmig anfühlt.

Nicht falsch genug, um alles zu ändern.
Aber auch nicht richtig genug, um darin wirklich zu ruhen.

Wann bewegen wir uns im schlimmsten Fall erst, wenn es anfängt irgendwie weh zu tun. 

Ein Gefühl von:

„Irgendetwas passt nicht.“

„Es fühlt sich alles so eng an.“

„Es atmet sich schwer.“

„Das kann doch nicht alles gewesen sein.“

 

Und gleichzeitig:

funktionieren wir, halten durch, passen uns an.

 

Oft so lange, bis wir uns irgendwie innerlich taub fühlen. Abgestumpft. Und gleichzeitig überreizt. In uns schreit es. Ich empfand es als ständigen Wechsel und wusste konnte mich selbst manchmal gar nicht mehr greifen.

Aber der Wunsch mich, meine Bedürfnisse, meine Intuition, mein Vertrauen, mein Feuer,... wieder spüren zu können, wurde gleichzeitig innerlich sehr, sehr groß.

 

Der erste Schritt: radikale Ehrlichkeit

Klarheit beginnt nicht mit Denken.

Sondern mit Aussprechen. Das bringt erste Ruhe ins Nervensystem, denn durch Sprache entlassen wir angestaute Punkte/ Energie aus unserem System. Aus unserem Kopf. Wir machen sie greifbar und können damit arbeiten.

Aussprechen, von dem, was ist.

Ohne Abschwächen.
Ohne Ausweichen.
Ohne kleine Pausen von Ehrlichkeit.

Immer und immer wieder. Sprachmemos, wenn keiner zuhören soll. Beste Freundin. Das Kissen - gern auch scrhreien. Selbstgespräche beim Waldspaziergang.

Aussprechen, vor allem dir selbst gegenüber.

Das kann unbequem sein. Anfang wird es das wahrscheinlich sogar definitiv.

Denn oft erkennen wir dabei in erster Linie, wo wir uns selbst belügen und belogen haben. Das kann schambehaftet sein. Schuld > Trauer > Wut. Aber alles sollte genau jetzt seinen Platz bekommen mit Zeit und Geduld.

Dass wir Dinge leben, die nicht mehr zu uns passen.

Dass wir uns angepasst haben, obwohl wir es anders machen wollten und uns selbst enttäuschten.

Dass wir Entscheidungen getroffen haben, die uns heute einengen.

Dass wir vielleicht sogar gar nicht wissen, was wir wollen, weil unser Leben daraus bestand das Leben anderer zu führen. Gedanken anderer zu adaptieren, die Gefühlswelt anderer weiterzuleben.

Und ja, das kann sich anfühlen wie ein Identitätsverlust.

 

Warum das am Anfang schmerzhaft ist

Wenn wir lange angepasst waren, fühlt sich Ehrlichkeit zunächst gar nicht wie Freiheit an.

Sondern wie Unsicherheit.

Wer bin ich, wenn ich das nicht bin? Wenn ich das loslasse?

Was bleibt, wenn ich ehrlich bin?

Doch genau hier beginnt echte Klarheit.

Nicht im Festhalten. Sondern im Loslassen und dabei dem Erkennen von ausgetretenen Pfaden.

 

Decluttering – innen und außen

Klarheit braucht Raum.

Und dieser Raum entsteht nicht von selbst.

Du beginnst zu entrümpeln.

Nicht nur Dinge.

Sondern auch Verpflichtungen, Gedanken, Erwartungen, Beziehungen, die nicht mehr ehrlich sind.

Alles, was dich beschwert. Es klingt, wie ein Spiel. Und genau das ist es. 

"Das kann ich doch nicht machen". Doch das kannst du und solltest. Das ist gesunder Egoismus in deinem Leben. Du setzt ab jetzt den Punkt.

Und dann passiert etwas Entscheidendes:

Es wird leer.

 

Der Weg zurück zu dir

Nach der Ehrlichkeit kommt nicht sofort Klarheit.

Sondern etwas, das viele vermeiden:

Stille.

Ich liebe Stille. Zu beginn kann sie sich dunkel und verschlingend anfühlen. 

Das ist der Moment, indem du lernen darfst im Dunkel zu spielen. "Playing in the Dark" liebevoll genannt. Denn das was hier hochkommt, möchte seine Zeit mit dir, die es vorher nicht bekam. Manchmal wirst du vielleicht denken "ich halte das nicht aus". Aber das wirst du, denn die Aussicht auf das was kommt ist wundervoll. Begegne dir mit Neugierde, lerne dich kennen, reiß alles an dich was kommt. Dann lass es gehen.

Nimmt dir Zeit, wieder zu fühlen. 

Nicht analysieren. Nicht entscheiden. Durchlaufen lassen, anschauen, ablaufen lassen.

Spüre.

Und irgendwo darin ist er:

Ein kleiner, leiser Funke.

Nicht laut.
Nicht logisch.

Aber eindeutig.

Als ich diesen Prozess das erste Mal durchlief, war meine Hauptbeschäftigung "nichts tun". Ich lag rum oder stand auf der Terrasse. Ich weigerte mich nach Jahrzehnten noch einmal etwas zu tun, was nicht mein Funke war. Es durfte nicht wieder halbherzig sein. Ich wollte kein halbherziges Leben mehr. Ich wollte meins.

Ich beschloss, dass das Nächste, dem ich mich widme nur etwas ist, das diesem Funken entspricht. Das was ein Kribbeln und Freude auslöst. So begann ich nach etwa 12 Jahren wieder mit der Kunst. Das war mein erstes Grinsen nach einiger Zeit im Dunkeln.

 

Die Leere (der wichtigste Teil)

Diese Leere ist ungewohnt und wie gesagt wahrscheinlich recht unangenehm.

Der Impuls ist oft, sie sofort wieder füllen zu wollen.

Mit Ablenkung.
Mit Konsum.
Mit „irgendetwas“.

Was hochschwappt kann überwältigend sein. Die Büchse der Pandora wurde geöffnet. Doch du bist für alles bestens ausgestattet.

Und genau hier liegt der Wendepunkt.

Wenn du bleibst.

Wenn du diese Stille aushältst.

Dann beginnt sich etwas zu zeigen.

 

Was dann entsteht

Ganz langsam.

Leise.

Ohne Druck.

Kommen sie zurück:

Diese kleinen inneren Weisheiten.

Nicht erklärbar.
Nicht logisch.

Aber klar.

Du kannst sie nicht weg „machen“.
Und irgendwann auch nicht mehr ignorieren.

Ich habe mich mit Händen und Füßen gegen die Beziehung mit meinem Mann gewehrt, weil ich Angst hatte. Innerlich war alles klar und es fühlte sich von Beginn an richtig an. Doch ich fühlte mich gar nicht bereit. Aber ich hatte keine Chance. Egal was ich tat, unser Zusammenkommen war unvermeidbar. Wie schön.

Selbst wenn du dich wehrst, führen sie dich.

In eine Richtung, die sich nicht beweisen muss.

Und so richtig anfühlt.

 

Klarheit ist kein Ziel.

Sie ist ein Zustand, der sichtbar wird, wenn wir aufhören, uns selbst zu übergehen. Oder zu verstecken.

Sie war nie weg.

Sie wird nur manchmal leiser, als alles andere, was täglich dröhnt. 

Bis du dich für sie Entscheidest. Kompromisslos. Unaufgeregt.

Mit deiner Liebe und Mut.